Ökonomie und Arbeit

In der Gruppe leben wir eine gemeinsame Ökonomie, in der die individuellen Bedürfnisse, die als Ausdruck von Hoffnungen und Ängsten wahrgenommen werden, bestimmend sind. Wir messen den Wert von finanziellen und materiellen Mitteln an ihrem Gebrauch und Nutzen anstatt in Besitz und Eigentum und es ist uns ein zentrales Anliegen, die herkömmliche Bewertung von Arbeit zu hinterfragen und neu zu denken.

Jede/r hat das Recht, ihre/seine Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, und es ist das Ziel des Kollektivs, diese in gleichem Maße zu erfüllen. Auf dieser Grundlage ist es für uns nicht nur eine Selbstverständlichkeit, alltägliche Einnahmen und Ausgaben in Form einer solidarischen Einkommensökonomie zu verwalten, sondern auch, Vermögen langfristig zu kollektivieren. Ein sensibler Umgang mit Besitztümern, die auch Menschen außerhalb der Gemeinschaft unmittelbar betreffen, wird durch individuelle, kreative Lösungen gefunden.

Es muss allen Beteiligten ermöglicht werden, sich dieser anderen und neuen Umgangsweise mit Geld und Besitz bei Bedarf schrittweise und langsam anzunähern. Eine Sicherheit in Form von Ausstiegsverträgen wird bei einer Distanzierung von der Gemeinschaft gewährleistet sein.

Durch das gemeinsame Schöpfen aus den Einnahmen aller wird außerdem einer komplizierten, gegenseitigen Aufrechnung und Bewertung verschiedener Arbeiten in Geldwert vorgebeugt. Verrichtete Arbeit dient dem Kollektiv in gleicher Weise, auch wenn sie nicht mit Geld entlohnt wurde. Insbesondere reproduktive Arbeit, die dem Erhalt und der Pflege des Haushalts und dem Wohl der Gemeinschaft dient, gilt hier als gleichermaßen wertvoll wie entlohnte Arbeitsstunden. Ihre Verrichtung liegt in der Verantwortung aller Gemeinschaftsmitglieder.

Wir sind uns dessen bewusst, dass eine gemeinsame Ökonomie hohe Ansprüche an unser gegenseitiges Vertrauen, an unsere Strukturen der Entscheidungsfindung und an unsere Bereitschaft, Konflikte in der Gruppe auszutragen,stellt, und sind bereit uns darauf einzulassen.